ZDF heute journal frisiert sich Kolumbien schön
Direkt zu beginn des Beitrags versucht man dem Zuschauer zu suggerieren, der Bürgerkrieg in Kolumbien sei vorbei und Deutschland wäre jetzt so nett und unterstütze die Aufarbeitung. Das die “Schatten der Vergangenheit” noch so lebendig sind, liegt daran das sie eben noch nicht Vergangenheit sind.
Erst kürzlich drangen beispielsweise kolumbianische Armeeeinheiten fast zwei Kilometer in ecuadorianisches Territorium ein, um dort eine Gruppe von FARC-Rebellen ins Visier zu nehmen. Dabei wurden Raul Reyes und 16 weitere Kämpfer getötet. Reyes war nach Angaben der kolumbianischen Regierung die Nummer zwei in der Hierarchie der FARC.
Es stimmt schon das ein paar Zehntausend “Guerillas und Paramilitärs” die Waffen niedergelegt haben, nützt nur leider den armen Teilen der Bevölkerung nichts, von wo aus der größte Widerstand kommt.
Es ist eben doch eine Amnestie für Regierungsverbrecher. Wer als regierungstreuer Verbrecher einen Teil des mit der CIA verdienten Drogengeldes an eine von Regierungsverbrechern kontrollierte Stiftung zahlt, wird praktisch nicht bestraft. Der vor allem aus armen Leuten bestehende Widerstand gegen die Marionettenregierung der USA hat davon gar nichts, denn die können sich den Freikauf nicht leisten. Die Regierung verteilt dann die Gelder an gute Kumpels.
Schreibt man bei mein-parteibuch.com, zu einem ähnlichen Tagesschau-Artikel. Ich frage mich wirklich wie man allen ernstes suggerieren will, dass der Bürgerkrieg dort vorbei ist …
Dann heißt es, dass Deutschland dazu beiträgt die Demokratie im Lande zu stärken. Ich weiss nicht, hat sich irgendwas an der Definition von “Demokratie” geändert?Gehört Bestechung jetzt dazu?
Und natürlich ist es kein Zufall das der Pro-USA Kandidat Uribe 2006 “wiedergewählt” wurde, schließlich ist Kolumbien eine der wichtigsten Drogenquellen der CIA. Dieser derStandard-Artikel ist da bezeichnend.
Kleine Anmerkung am Rande: Warum muss Merkel nach Kolumbien, um zu merken “wie schwach Demokratie sein kann”? In Deutschland gibt es davon doch wenigstens genau so wenig wie in Kolumbien.
Dann sagt Merkel man wolle den “kolumbianischen Weg” unterstützen. Die Ermordung von Oppositionellen durch “Terrorschwadronen” der Regierung ist also unterstützungswürdig?
Zu dem Schenkelklopfer am Ende (Deutschland kann zum Rechtsstaat Kolumbien beitragen), muss ich wohl nichts schreiben …
Die FARC besitzt unter den Armen in Kolumbien keine Unterstützerbasis. Wieso auch? Schliesslich haben die genug sinnlos Kleinbauern niedergemetztelt.
Die Mehrheit der Kolumbianer steht hinter Uribe, obs dir gefällt oder nicht.
Selbst die aktuelle Vertretung der extremen Linken der Polo Democrático Alternativo lehnt die FARC ab (sehr interessante Web-Seite übrigen: http://www.polodemocratico.net/) Natürlich weniger rein, als die schön übersichtlichen Vorstellungen der deutschen Jugend. Muß man natürlich für spanisch lesen können.
Ich sage nicht, dass die Methoden der FARC “okay” oder irgendwie angebracht sind. Nichtsdestotrotz ist der Bürgerkrieg in Kolumbien nicht vorbei.
Des weiteren ist es kein Wunder das Uribe wiedergewählt wurde, denn zum einen ist er Pro-USA (und Wunschkandidat der CIA) und zum anderen gab es eh so gut wie keine Alternative.
Jeder wahre Oppositionskandidat wird ja komischerweise kurz vor der Wahl ermordet. (Somit sind Gavirias 22% schon erstaunlich)
Und einen Wahlbetrug Artikel hatte ich ja verlinkt.
Das ist eine Beleidigung des kolumbianischen Volkes. Die wählen also nur, was von der CIA vorgeschlagen wird? Naja. Sind halt doofe Bananen-Bieger.
Die Zeiten, in der in Kolumbien Politiker massiv abgemetztelt worden sind, war in den 80ern und frühen 90ern. Das ist schon eine Weile her. Z.T. lag es daran, dass die FARC die Unión Patriótica für ihre Zwecke instrumentalisiert hat. Wenn die FARC sich in Hinbilick auf Erschiessungen, Entführungen, etc. an keine Spielregeln hält, gabs eben von Seiten der Paras auch keine Regeln gegenüber dem parlamentarischen Arm der FARC, die Unión Patriótica. Man nennt das Spirale der Gewalt.
Übrigens wurden die Paras viel von den Drogenbaronen finanziert und die waren eigentlich nicht gerade ein CIA-Freund.
Da du politisch interessiert zu sein scheinst und gewisse Hoffnung besteht, dass es bei dir vielleicht mit dem Englischen ein bischen flüssiger als mit dem Spanischen läuft, empfehle ich dieses Buch, um sich erstmal ein wenig zu informieren (http://www.amazon.de/gp/product/0415933048), bevor man die Auslandskorrespondenten des Zweiten Deutschen Fernsehens der politisch intendierten Informationsfälschung bezichtigt.
Die FARC besitzt keinerlei legitimatorische Basis im kolumbianischen Volk. Ergo ist die FARC keine Bürgerkriegsarmee sondern eine kriminelle Vereinigung, die zum Glück (ebenso wie die Paras) langsam aufgelöst wird.
Die Kolumbianer mögen Uribe für:
- das Wirtschaftswachstum, das auch viele Kolumbianer im früher mal reicheren Venezuela zu einer Rückwanderung bewegt.
- Erfolge in der Durchsetzung des rechtsstaatlichen Gewaltmonopols gegen FARC und Paras
- viele kriminelle Elemente sind ins unsicherere Venezuela gezogen, da es dort offenbar für Kriminalität inzwischen bessere Standortbedingungen gibt.
Diskutier das bitte mit dem http://www.polodemocratico.net/ aus, ob es keine Alternativen zu Uribe gibt. Ich denke, die sehen das anders.
Ich beleidige das kolumbianische Volk, weil ich sage das (durch Manipulation von Wahlen) ein Pro-Amerika Kandidat, mit CIA-Unterstützung, gewählt wurde?
Ich habe das Volke Kolumbiens nirgendwo angegriffen. Ich kritisiere die dortige “Demokratie” (die keine ist).
So ziemlich jeder “linke” Kandidat, der etwas hätte erreichen können, wurde ermordet (siehe)
DIe aktuelle Lage in Kolumbien scheinst du durch eine rosa-rote Brille zu sehen. Informationen zur “wahren Lage” findest du bspw. hier.
Wenn in Kolumbien derzeit alles so toll und fair ist, warum demonstriert man dann gegen Staatsterror und Paramilitarismus.
RedGlobe solltest du dir mal genauer ansehen. Da kannst du wahrscheinlich was lernen.
Gaviria lebt immer noch. Könnte ein Hinweis dafür sein, dass es eine gewisse Tendenz zur Besserung gibt?
Nochmal: Es wurden in den 80ern und frühen 90ern massiv Kandidaten und Politiker der Unión Patriótica ermordet. Dies hatte aber auch etwas damit zu tun, dass diese Partei von der FARC, dessen politischer Arm sie war, missbraucht wurde. So einfach ist es eben nicht, dass nur auf einer Seite die Bösen und auf der anderen Seite die tollen Befreiungskämpfer sind.
In Kolumbien demonstriert - wie übrigens in Deutschland - nicht “man”, sondern eine Gruppe von Menschen. Man nennt das glaub ich Versammlungsfreiheit.
In Kolumbien - wie in keinem Land oder sogar keinen Leben - ist alles so toll. Es gibt aber gewisse Anzeichen, dass sich das Land auf einem guten Weg befindet.
Die angesprochene Seite liefert ein sehr einseitiges und vereinfachendes Bild der Lage in Kolumbien. Ich bevorzuge Bücher, die kolumbianische Webpresse, den Colombia Informa podcast (links für meine Verhältnisse) sowie die Webseite des Polo Democrático (die Partei Garvirias)
Klar ist das eine Gewisse Tendenz zur Besserung.
Das heißt dann wohl, dass zumindest “eine Gruppe von Menschen” ein “Problem” mit der Regierung hat. Tausende Menschen werden sich Staatsterror wohl nicht einbilden?
Natürlich gibts in Kolumbien einen Haufen Terror.
In allen Bereichen.
Mein Cousin hat mal Leute in Bogota besucht.
Man muss sich da an ungefähr 20 Security Richtlinien halten. Z.B. nie nachts in ein Taxi steigen, dessen Fahrer man nicht kennt.
Ansonsten kann man so Opfer einer “vuelta del gringo”-Folklore Aktion werden. Anhalten an jeden Bankomaten der so auf dem Weg liegt, jedes mal den Hauptgewinn ziehen und die Scheinchen den anderen übergeben.
Terror wurde v.a. auch von der FARC ausgeübt.
Direkten Staatsterror eigentlich weniger. Die Politiker bildeteten keinen monolythischen Block. Einige Politiker wie z.B. Betancourt haben ja ernsthaft mit der FARC verhandelt, ohne dass es zu Ergebnissen gekommen wäre. Das ist alles sehr ambivalent.
Der (linke) Podcast von Colombia Informa geht es vor allem um ein Ende JEDER Gewalt, egal ob von links oder von rechts. Er ist auch sehr Uribe-kritisch um nicht zu sagen feindlich. Ich teile die Meinung dieses Podcasts nicht. Nur kommt selbst dort die CIA nicht vor. Das sind komplexe, innere Dinge der kolumbianischen Gesellschaft und zur Zeit entwickelt es sich halt in eine okaye Richtung. Die führenden Paras kommen vor ein US-amerikanisches Gericht und die fanden das gar nicht komisch. Immer mehr Leute von der Landarbeiter masakrierenden, linke-wie-rechte-Politiker dauerentführenden FARC geben auf. In der Wirtschaft werden eine Menge Arbeitsplätze geschaffen. Dies ist eine günstige Grundlage für ein Ende von GEwalt und Willkür. Ähnliche Entwicklungen hat es in Argentinien und Chile in den 80ern bzw. 90ern auch gegeben.
“Die Mehrheit der Kolumbianer steht hinter Uribe, obs dir gefällt oder nicht.”
Das ist ein Trugschluss. Die Kolumbianer sind vielmehr, nach 4 Dekaden Bürgerkrieg, einfach satt dem Terrorismus ausgelifert zu sein, aus menschlicher Sicht völlig verständlich. Uribe sorgt für “Sicherheit” und das kommt bei den Kolumbianern gut an. Doch leider steckt der Präsident mitten im Drogensumpf drin( Sein Vater wurde unter dubiose Umstände ermordet, sein Cousin wegen Dorgenhandel verhaftet), er hat Kontakte zu wichtigen Teilen der Paramilitärs (schließlich hat er ja auch als Gobernador von Antioquia CONVIVIR mitbegründet).
60 Parlamentarier aus dem engeren Kreis von Uribe sind in den Blickwinkel der Justiz geraten, weil sie regen Kontakt zu den Paramilitärs pflegen.
Er hat das Gesetzt “Justicia y Paz” heraus gebracht, die auf die Paramilitärs zugeschnitten ist. 8 Jahre höchtens für grobe Menschenrechtsverletzung sieht das Gesetzt vor. Danach sind die Mörder frei und können aus Landvertreibung und Drogenhandel angehäuften Reichtum auskosten. Die für die Haft anberaumten Gebiete haben nichts mit einen herkömmlichen Knast zu tun, sondern erinnern mehr an einen Kurort.
Uribe schafft “Sicherheit” in dem er die Gesellschaft Kolumbien militarisiert (Paramilitärs in Zivilkleidung), die Jagd auf Andersdenkende machen.
Ich hoffe die Kolumbianer wachen auf und erkennen, dass sie um ihrer Sicherheitwillen einen Pakt mit den Teufel eingehen. Uribe hat in Kolumbien die Paramilitärs institutionalisiert.