Russlands Anerkennung von Abchasien und Südossetien hat die kurze Zeit einer stabilen Weltordnung endgültig beendet, schreiben russische Medien in den vergangenen Tagen.
Dieser Schritt erfolgt mehrere Monate nach ähnlichen Schritten des Westens in Bezug auf das Kosovo. Experten zufolge hat Moskau eine weit über den Kosovo-Fall hinausgehende radikale Antwort auf die Lösung einer internationalen Streitfrage gegeben, ohne die üblichen Verfahren anzuwenden.
Russland zog die Anerkennung so lange hin, wie es konnte. Der Verlauf der Ereignisse ließ jedoch kein weiteres Zögern zu: Entweder hätte man der westlichen Gemeinschaft gegenüber seine Schuld zugeben (und sich hierbei für die einzigen richtig Handelnden halten) müssen, was ein Beweis für die Handlungsunfähigkeit der jetzigen Führung Russlands gewesen wäre, oder es galt zu tun, was getan worden ist.
Russland habe wie in einem Schachspiel unter Zugzwang gestanden, bei dem jeder Schritt negative Folgen hat, so Boris Schmeljow, Direktor des Zentrums für vergleichende politische Studien an der Russischen Akademie der Wissenschaften. Zu wählen sei zwischen schlecht und sehr schlecht gewesen.
Auf die Anerkennung der Unabhängigkeit der zwei nicht abtrünnigen Republiken im Kaukasus werde eine harte Obstruktion seitens des Westens folgen und sich die Krise in den Beziehungen der vergangenen Jahre bis zur Konfrontation verschärfen. Aber die Nicht-Anerkennung hätte Russlands Ansehen drastisch vermindert, möglich sei auch eine Destabilisierung im russischen Nordkaukasus gewesen, was viel schlimmer sei, sagt der Politologe.
Nikolai Zlobin, Direktor der Russland- und Asienprogramme am Weltsicherheitsinstitut, ist der Ansicht, dass Russland den letzten Stein aus dem übrig gebliebenden Fundament des Jalta-Systems der internationalen Beziehungen herausgeschlagen und den Weg geebnet habe, den die USA und der Westen angestrebt hätten: eine Änderung der Grundlagen der Weltordnung.
“Dmitri Medwedew, der erste russische Präsident, der sich als Politiker bereits nach dem Kalten Krieg geformt hat, hat den letzten Nagel in den Sarg des Systems eingetrieben, das schon längst seine Effektivität und Angemessenheit verloren, aber die Weltgemeinschaft immer öfter in eine Sackgasse geführt hat”, sagt der Experte.
“Sobald im Westen die emotionale Phase der Reaktion auf Moskaus Entschluss vorbei ist, werden dort viele einen Erleichterungsseufzer ausstoßen, weil sie verstehen werden, dass Dmitri Medwedew ihnen freie Hand gelassen und im Grunde einen entscheidenden Schritt zur Herausbildung einer neuen Weltordnung getan hat”, prognostiziert Zlobin. “Zweifellos bietet das allen - sowohl Russland als auch dem Westen - neue Möglichkeiten in der Welt. Das Wichtigste ist hier: sich nicht von der außenpolitischen Taktik und dem Streben nach gegenseitiger Bestrafung fortreißen zu lassen und nicht diese in der Geschichte seltenen strategischen Möglichkeiten zur Umgestaltung der Welt nach eigenem Willen zu versäumen.”
Ich würde ziemlich gerne Russisch können, denn dort scheint die Presse über die wahren Hintergründe zu berichten …
[via RIA Novosti]
New World Order dmitri medwedew, russland
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